Gefällt Ihnen das?
Die ausgestellten Fotos zeigen nicht etwa ausgefahrene Feldwege sondern Ausschnitte der 4. illegalen Moto-Cross-Strecke in der Benshäuser Umgebung, z.T. mehrere Meter breite zerfurchte Fahrbahnen auf den ehemaligen Terassenfeldern zwischen Passberg und Ebertshäuser Teichen!
Der Rundkurs nimmt etwa eine Fläche von 3 ha ein, die der Zerstörung durch Bodenerosion preisgegeben ist. Dürfen Endurosportler das von den Vorfahren in mühevoller täglicher Arbeit Geschaffene zerstören, nur weil sie ihrem Sport und ihren Vergnügen nachgehen? Dürfen sie diese Folgeerscheinungen billigend in Kauf nehmen und Hunderte von Menschen sowie nachfolgenden Generationen schädigen?
Folgen der illegalen Moto-Cross-Fahrten:
Haben das die jugendlichen Enduro-Sportler selbst bedacht?
Wollt Ihr das?
Was sagen die Benshäuser dazu?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung! Auf Wunsch veröffentlichen wir sie (mit oder ohne Verfassernamen) an gleicher Stelle.
Der Vorstand des Thüringerwald Vereins Benshausen e.V.
Ich bin zwar selbst (leider!) kein aktiver Endurosportler und kenne diese Strecke dadurch nur vom Hören-Sagen. Ich kann also nicht für die betroffenen Endurofahrer sprechen, sondern gebe hier nur meine persönliche Meinung wieder!
(Quelle: Freies Wort; Ausgabe 30.08.2002; Lokalteil Zella-Mehlis)
Von Heike Jenzewski
Benshausen Endurofahrer und Naturfreunde an einem Tisch. Das geht nicht gut?
Stellenweise sah es Mittwochabend im Rathaus Benshausen tatsächlich so aus. Teils hitzig
und sogar mit einem kleinen Eklat verlief die Runde. Eingeladen hatte Bürgermeister
Walter Brunngräber neben dem Verein Enduro-Freunde Haselgrund auch Vertreter des
Landratsamtes, des Forstamtes Schwarza und des Thüringerwald-Vereines Benshausen.
Wir können uns die Zerstörung der Natur und Landschaft durch Motorradfahrer einfach nicht mehr gefallen lassen. Die Lärmbelästigung vor allem auch sonntags ist enorm, privates Eigentum wird missachtet, zählte er zu Beginn die Vorwürfe auf. Im Brand und im Alten Feld, an der Tischwiese oder im Lengtal seien die Spuren der Zerstörung besonders deutlich, der Krach unerträglich. Da die Fahrer Integralhelme aufhätten, würden sie nicht erkannt.
Norman Arnold, Vorstandsmitglied bei den vor zwei Monaten gegründeten Enduro-Freunden Haselgrund, versuchte den Anwesenden die Faszination seines Hobbys nahe zu bringen. Wir leben den Enduro-Sport, indem wir in der Natur fahren, betonte er. Der Sport habe zweistellige Zuwachsraten erfahren, leider auch durch schwarze Schafe. Wenn ich sehe, wie solche Leute die Naturreservate zerfahren oder die Trinkwasserschutzgebiete, sträuben sich auch mir die Nackenhaare. Das seien aber definitiv keine Mitglieder ihres Vereines, betonte er.
In der Öffentlichkeit würden oft Endurofahrer und Motocrosser verwechselt. Enduro-Maschinen seien zugelassen, mit Kennzeichen versehen und hätten vorn eine Lampenmaske. Sie dürften auch am normalen Straßenverkehr teilnehmen. Anders die Crossmaschinen, für die man keine Fahrerlaubnis brauche, die nicht für den Straßenverkehr zugelassen seien und kein Nummernschild hätten. Oft würde der Frust über diese Fahrer auf sie übertragen. Sie würden z.B. sonntags nicht fahren und auch nicht abends, sondern v.a. sonnabends, so die Enduro-Freunde.
Für den Verein gibt es nur eine Lösung: Es müssten in der Region eine oder mehrere Strecken freigegeben werden, auf denen sie zu abgestimmten Zeiten legal ihr Hobby ausüben könnten. Er selbst würde sich schon nicht wohlfühlen, wenn er auf Feldwegen fährt, so Arnold. Doch vor allem den schwarzen Schafen, die auch vor beweideten Flächen, Naturdenkmalen und dem Wald nicht halt machen, könnte man dann anders begegnen.
Ich muss aufstehen, mir wird übel, quittierte Dr. Eberhard Lucke, Leiter des Forstamtes Schwarza, die Darlegungen der Enduro-Freunde und verließ erbost den Raum. Auch gestern hatte er sich bei einem Anruf von Freies Wort noch nicht beruhigt. Hier werde vorsätzlich gegen Thüringer Gesetz verstoßen. Das Waldgesetz sagt, Motorsport im Wald ist verboten, begründete er seine starre Haltung. Täglich hätte er Ärger: Wanderer würden von Fahrern mit Vollgas umrundet, Reifen von Forstautos zerstochen, er selbst oder Mitarbeiter tätlich angegriffen, wenn sie Fahrer stoppen wollten. Das sind für mich vermummte Terrorbanden, gegen die der Staat vorgehen muss!, beharrte er.
Weniger aggressiv, aber ebenso kritisch gingen die anderen Anwesenden mit den Vereinsmitgliedern um. Allerdings suchten sie Gemeinsamkeiten auf dem Boden der Legalität aufzuzeigen, vereinbarten gar gemeinsame Waldeinsätze wie mit Eberhard Mann vom Thüringerwald Verein.
Harald Burkhardt, Fachbereichsleiter für Sicherheit und Ordnung im Landratsamt, gab schließlich den entscheidenden Hinweis: Der Verein solle sich möglichst gemeinsam mit anderen Endurosportlern zunächst auf eine gemeinsame Strecke einigen und diese Landrat Ralf Luther vorstellen. Er sei als Sportfreund bekannt und würde einen machbaren Plan der Vereinsmitglieder bei einem Gang zur Genehmigungsbehörde, dem Staatlichen Umweltamt Suhl, sicher unterstützen.
(Quelle: Freies Wort; Ausgabe 04.09.2002; Lokalteil Zella-Mehlis)
"Wir haben zwei Kräder, die fürs Gelände geeignet sind", bestätigte Polizeihauptkommissar Jürgen Bachmann von der Polizeidirektion Suhl. In einer Runde mit Enduro-Sportlern in Benshausen war gefordert worden, seitens der Polizei härter gegen Motorradfahrer vorzugehen, die die Natur verschandeln und Wanderer und Wild erschrecken(Freies Wort 30. August). "Wir müssen flexibel sein bei den Verfolgungen. Das betrifft aber genauso die Baustellendiebstähle an der A71, nicht nur die Jugendlichen."
(Quelle: Freies Wort; Ausgabe 17.09.2002; Lokalteil Schmalkalden)
Benshausen/Viernau "Das sind für mich vermummte Terrorbanden",
lautete einer der Vorwürfe von Dr. Eberhard Lucke in einem Freies-Wort-Beitrag vom 30.
August über eine Gesprächsrunde von Endurosportlern und Vertretern von kommunalen und
Ämtern des Landkreises. Für den Verein "Endurofreunde Haselgrund" e.V. war das
zu starker Tobak, den der Leiter des Forstamtes Schwarza vom Stapel ließ. "Das
lassen wir uns nicht gefallen", sagt Torsten Hellmann, zweiter Vorsitzender der
Motorsportler. Begonnen hat der öffentliche Streit Ende August bei einer Diskussionsrunde
in Benshausen. Vertreter des im gesamten Haseltalgrund agierenden Viernauer Vereins
wollten unter anderem mit dem Benshäuser Bürgermeister, Vertretern des Landratsamtes,
den Benshäuser Vereinen sowie dem Forstamt Schwarza ins Gespräch kommen. Ziel der
Endurofreunde: einen Konsens schaffen, um künftig in der Region eine Übungsstrecke für
das PS-starke Hobby aufzuweisen. Denn bisher verstoßen die Enduro-Fahrer bei der
Ausübung ihres Hobbys streng genommen gegen das Gesetz. Zum Beispiel mißachten sie - mit
scharfer Elle gemessen - das Thüringer Waldgesetz, welches den Motorsport im Wald
verbietet. Deshalb bot Vorstandsmitglied Norman Arnold in der Runde an, daß sich die
Endurofreunde bei Arbeitseinsätzen im Wald und dergleichen beteiligen. In
Steinbach-Hallenberg war dies bereits einmal geschehen.
Unter einen Hut bringen
Der Verein fordert nicht einfach eine Übungsstrecke. Die Mitglieder sind bereit beim
Erhalt der Natur mitzuwirken. Dagegen standen in der Diskussion Vorwürfe wie die
Lärmbelästigung durch die Motorradfahrer, die Mißachtung von privaten Grundstücken,
die Zerstörung von Natur und Landschaft. Dennoch war die Diskussionsrunde bestrebt, den
kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, um Naturschutz und Enduro-Fahren vielleicht doch
noch unter einen Hut zu bringen. Bis zu diesem Punkt blieb der Schwarzaer Forstamtsleiter
Dr. Eberhard Lucke standhaft wie eine deutsche Eiche. Dann verließ er die Veranstaltung,
raunzte ein "mir wird übel" und sprengte mit seinem Weggang die Runde. In einem
folgenden Beitrag der Heimatzeitung vom 30. August 2002 beschimpfte er die Endurofahrer
als "vermummte Terroristen", warf ihnen vor, daß täglich Wanderer mit Vollgas
umrundet und Reifen von Forstfahrzeugen zerstochen würden und dergleichen. Der Verein
"Endurofreunde Haselgrund" weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Er beriet
dagegen, wie das Anliegen, Freizeitsport und Naturschutz zu vereinbaren, untermauert
werden könne. Wochentags darf, so die seit Anfang September bindende Festlegung des
Vorstandes, nur bis 18 Uhr gefahren werden. Samstags maximal am Vormittag, sonntags
herrscht Fahrverbot.
Das Interesse ist da
Generell, so unterstreicht Torsten Hellmann, werde nicht mehr auf Strecken gefahren, auf
denen Urlauber unterwegs sind. "Mittlerweile haben wir 35 Mitglieder",
bestätigt er das große Interesse an dem Verein, der erst vor einigen Wochen neu
gegründet - damals mit 20 Mitgliedern - seine Aktivitäten begann. Die Vorwürfe des
Forstamtsleiters weist er strikt zurück. Auf Anfrage der Heimatzeitung sagte Dr. Eberhard
Lucke: "Ich werde dafür bezahlt, dieses Gesetz(Anm. d. Red.: das Thüringer
Waldgesetz) einzuhalten". Anstatt erst einmal zu prüfen, ob möglicherweise an
geeigneter Stelle einer Ausnahmegenehmigung zugestimmt werden könnte, betont der
Forstamtsleiter im Stil eines preußischen Korporals, daß es diese mit ihm nicht geben
wird. Auch wenn sein Ansinnen, den Wald wie im Gesetz definiert für alle zu bewahren,
löblich ist, Verständnis findet er für seine Wortwahl bei den Endurofreunden nicht.
Ermittlungen eingestellt
Er und andere Personen seien tätlich angegriffen wurden, ergänzte der Forstamtsleiter
bei der Nachfrage der Heimatzeitung. Die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen nach der
Anzeige jedoch ergebnislos eingestellt. Auf die Frage nach dem Datum der Ereignisse konnte
- oder wollte - er sich paradoxer Weise nicht mehr erinnern. Die eingangs genannte
Gesprächsrunde in Benshausen war allerdings auch ohne Dr. Lucke halbwegs konstruktiv
auseinander gegangen. Zunächst, so lautete die Einigung, sollen sich die Endurofreunde
auf einen Vorschlag für eine Übungsstrecke einigen und diesen dann Landrat Ralf Luther
vorstellen
(Erik Hande)